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Nachts beleuchtet, tagsüber weniger Schmetterlingsbesuche: Was eine Wiesenstudie zeigt

Nachts gehen Blütenbesuche zurück. Am Tag verdeckt eine fast unveränderte Gesamtzahl deutliche Verschiebungen zwischen den Insektengruppen.

Beleuchteter Weg im Garden of Five Senses in Neu-Delhi
Symbolbild: Beleuchteter Weg im Garden of Five Senses in Neu-Delhi · Foto: Kprateek88 · Quelle · CC BY-SA 3.0. Das Bild zeigt nicht das berichtete Ereignis.

Anlass: Veröffentlichung von Lu et al. / Ecology and Evolution · 07.10.2026.

Die auffälligste Veränderung zeigt sich erst beim Aufschlüsseln

Eine am 7. Oktober veröffentlichte Studie vom tibetischen Hochplateau zeigt: Auf nachts beleuchteten Wiesen sank die nächtliche Besuchshäufigkeit an Blüten um 35,4 Prozent. Tagsüber blieb die Gesamtzahl statistisch unverändert. Dahinter verbargen sich jedoch gegenläufige Entwicklungen.

Die Tabelle zeigt die Veränderungen am Tag gegenüber dunklen Vergleichsflächen. Alle vier Gruppenunterschiede waren statistisch signifikant.

BlütenbesucherVeränderung am Tag
Hautflügler, darunter Bienen−20,0 %
Schmetterlinge−51,8 %
Käfer−61,7 %
Zweiflügler, darunter Fliegen+46,3 %

Quellen: [1]

Ein Sommer mit fünf Flächenpaaren

Untersucht wurden im Juli und August 2024 fünf Paare jeweils 25 Quadratmeter großer Flächen auf 3.540 Metern Höhe. Die eingeschalteten LEDs hatten 8.000 Kelvin, also sehr kaltweißes Licht. Gezählt wurden blütenbesuchende Insekten, die Staubblätter oder Stempel berührten.

Die Arbeit misst damit Kontakte an Blüten, keine Bestäubungsmenge oder Ernte. Warum sich die Tagesbesuche verschoben, wurde nicht experimentell getrennt geprüft. Die Prozentwerte gelten für diesen alpinen Versuch.

Quellen: [1]

Ein Schweizer Versuch zeigt: Auch die Pflanze macht einen Unterschied

Ein Blick in eine frühere europäische Untersuchung hilft, den Befund einzuordnen. Eine 2021 veröffentlichte Studie eines Teams um Simone Giavi verglich zwölf unbewirtschaftete Wiesen im Schweizer Voralpenraum. Sechs wurden nachts mit Straßenlampen beleuchtet, sechs blieben dunkel. Die verwendeten Lampen hatten 4.000 Kelvin.

Bei drei der 21 ausgewerteten Pflanzenarten gingen die Blütenbesuche am Tag signifikant zurück, bei einer nahmen sie zu. Am Wald-Storchschnabel blieb die Gesamtzahl ähnlich, während Besuche von Zweiflüglern abnahmen. Dieselbe Wiese kann also bei einer Pflanzenart eine andere Reaktion zeigen als bei ihrer Nachbarin.

Zusammen ergeben die Versuche ein genaueres Bild als die pauschale Aussage, Licht vertreibe alle Bestäuber gleichermaßen: Es verändert Begegnungen zwischen bestimmten Insekten und bestimmten Blüten. Aus einer unveränderten Gesamtzahl lässt sich deshalb keine Entwarnung ableiten. Der Schweizer Vergleich liefert europäischen Kontext; seine Zahlen ersetzen keine Untersuchung im eigenen Garten.

Quellen: [2]

Vier Einstellungen an der Gartenbeleuchtung prüfen

Für die eigene Beleuchtung lässt sich bereits heute etwas ändern. Der BfN-Leitfaden zu Außenbeleuchtungsanlagen behandelt ausdrücklich auch Privatgrundstücke. Seine Empfehlungen betreffen gleichzeitig Lichtfarbe, Richtung, Stärke und Betriebszeit. Für einen Rundgang nach Einbruch der Dunkelheit ergeben sich daraus vier konkrete Prüfpunkte:

  • Leuchtdauer: Nur zu den Zeiten beleuchten, in denen der Weg oder Eingang tatsächlich genutzt wird; eine Abschaltung vorsehen.
  • Ausrichtung: Abgeschirmte Leuchten nach unten auf die benötigte Fläche richten. Licht, das seitlich in Beete oder nach oben strahlt, vermeiden.
  • Stärke: So weit reduzieren, dass die benötigte Orientierung möglich bleibt. Eine sparsame LED ist kein Grund für zusätzliche Helligkeit.
  • Farbe: Warmes Licht wählen. Der Leitfaden empfiehlt für Außenbeleuchtung höchstens 3.000, möglichst höchstens 2.400 Kelvin.

Quellen: [3]

Den Blüten nachts eine Pause lassen

Ein beleuchteter Zugang und ein dunkler Garten lassen sich gemeinsam planen. Der praktische Anfang ist, die Lichtkegel vom Weg aus zu betrachten: Wo wird eine Stufe sichtbar, wo wird nur ein Strauch angestrahlt? Die zweite Fläche lässt sich häufig aus dem Licht nehmen.

Quellen: [3]

Für deinen Garten

Das kannst du mitnehmen

  • Leuchtkegel auf Wege und Eingänge begrenzen.
  • Betriebszeit, Helligkeit und Lichtfarbe gemeinsam prüfen.

Quellen & Einordnung

  1. Artificial Light at Night Alters Both of Nocturnal and Diurnal Pollination Networks in Alpine Meadows ↗Lu et al. / Ecology and Evolution · 07.10.2026
  2. Impact of artificial light at night on diurnal plant-pollinator interactions ↗Giavi, Fontaine und Knop / Nature Communications · 16.03.2021
  3. Leitfaden zur Neugestaltung und Umrüstung von Außenbeleuchtungsanlagen, 3. Auflage (2020) ↗Bundesamt für Naturschutz

Dieser Beitrag ordnet die verlinkten Veröffentlichungen für Garten- und Balkoninteressierte ein. Er enthält keine eigene Vor-Ort-Recherche.

Floruno-Redaktion

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