Gründächer: Neue UBA-Hilfe setzt auf zusätzliche Wasserspeicher
Eine neue Planungshilfe empfiehlt Dächer, die Regen gezielt zurückhalten. Was das für eine Garage bedeuten kann, zeigt ein Rechenbeispiel – einschließlich des zusätzlichen Gewichts.

Anlass: Veröffentlichung von Umweltbundesamt · Oktober 2026.
Mehr Wasser zurückhalten, bevor es unten ankommt
Wer ein Gründach plant, sollte früh über seinen Wasserspeicher sprechen. Das Umweltbundesamt empfiehlt in seiner im Oktober veröffentlichten Ausschreibungshilfe sogenannte Retentionsdächer als Standard für die Schwammstadt. Sie halten durch zusätzliche Speicherelemente mehr Regen zurück als ein einfacher extensiver Aufbau.
Die 35-seitige Hilfe richtet sich an Planende und Auftraggeber. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Leistung des ganzen Dachs: Wasserrückhalt, Verdunstung, Lebensraum und gegebenenfalls Solarstrom sollen bereits in die Ausschreibung eingehen. Besonders bei Neubauten und größeren Sanierungen empfiehlt sie, eine Kombination aus Begrünung, Wasserspeicher und Photovoltaik zu prüfen.
Quellen: [1]
Was 20 Liter auf einer kleinen Garage bedeuten würden
Ein ausdrücklich hypothetisches Rechenbeispiel macht die Größenordnung sichtbar: Angenommen, für eine 30 Quadratmeter große Garage wird ein zusätzlicher Speicher von 20 Litern je Quadratmeter angeboten. Das ergäbe 30 × 20 = 600 Liter Speichervolumen. Bei vollständiger Füllung kämen rund 600 Kilogramm Wasser hinzu – zusätzlich zum übrigen Dachaufbau.
Die 20 Liter sind ein frei gewählter Vergleichswert, keine Bauempfehlung. Auch der Speicher steht bei einem neuen Regenguss nur insoweit zur Verfügung, wie er zuvor geleert wurde. Die Rechnung hilft, ein Angebot zu hinterfragen: Wie viel Wasser kann der Aufbau aufnehmen, wie schnell fließt es ab, und welches Gesamtgewicht muss das Gebäude tragen?
Drei Punkte vor dem Angebotsvergleich klären
Aus der UBA-Planungshilfe lassen sich drei Fragen für das erste Fachgespräch ableiten:
| Ziel | Was im Angebot nachvollziehbar sein sollte |
|---|---|
| Regen zurückhalten | Speichervolumen und geregelter Abfluss |
| Artenvielfalt fördern | Bepflanzung und unterschiedliche Lebensraumstrukturen |
| Solarstrom mitnutzen | Abgestimmter Aufbau und Platz für Pflege und Wartung |
Quellen: [1]
Pflanzen wählen – und ihre Pflege mitbestellen
Wie eine extensive Begrünung dauerhaft funktioniert, erläutert der Praxisratgeber der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Gewöhnliche Gartenerde ist demnach kein geeignetes Dachsubstrat. Die Broschüre zeigt mineralische Mischungen und nennt neben Sedum etwa Feld-Thymian, Kartäuser-Nelke und Rundblättrige Glockenblume.
In der Anwachsphase kann bei Trockenheit Bewässerung nötig sein. Später gehören das Entfernen unerwünschter Gehölzsämlinge und freie Dachabläufe zu den Pflegeaufgaben. Wer diese Arbeiten übernimmt und wie die Fläche sicher erreichbar bleibt, gehört deshalb ins Gespräch mit dem ausführenden Betrieb.
Ein extensiv begrüntes Dach ist außerdem nicht automatisch eine Dachterrasse. Tragfähigkeit, Abdichtung und Entwässerung müssen zum geplanten Aufbau passen; die Planung eines Retentionsdachs gehört in fachkundige Hände.
Quellen: [2]
Das Dach ist ein Teil des Wasserwegs
Der größere Zusammenhang ist das Schwammstadt-Prinzip: Regen wird vor Ort aufgenommen und gespeichert, später verdunstet, versickert oder beispielsweise zur Bewässerung genutzt. Das UBA beschreibt es als Antwort auf Starkregen und längere Trockenphasen.
Für das Grundstück folgt daraus eine zusätzliche Planungsfrage: Wohin gelangt das Wasser, wenn der Dachaufbau gefüllt ist? Ein Angebot für die Begrünung sollte deshalb zusammen mit dem Entwässerungskonzept betrachtet werden. Erst dann wird aus einer bepflanzten Fläche ein nachvollziehbar geplanter Wasserspeicher.
Quellen: [3]
Das kannst du mitnehmen
- Im Angebot Speichervolumen, Abfluss und Gewicht des wassergesättigten Aufbaus gemeinsam prüfen lassen.
- Pflegezugang und Zuständigkeit für Pflanzen und Entwässerung vor der Vergabe klären.
Quellen & Einordnung
- Ausschreibungshinweise für Gründächer ↗Umweltbundesamt · Oktober 2026
- Praxisratgeber Extensive Dachbegrünung ↗Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau · Februar 2026
- Schwammstadt – Zukunftskonzept für klimaresiliente und lebenswerte Städte ↗Umweltbundesamt · 03.07.2024
Dieser Beitrag ordnet die verlinkten Veröffentlichungen für Garten- und Balkoninteressierte ein. Er enthält keine eigene Vor-Ort-Recherche.
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