Nachricht · Gartenpraxis

Versuch in Apfelanlagen: Zucker lenkt Ameisen von Blattläusen ab

Ameisen verteidigen Blattläuse gegen Fressfeinde. Ein Versuch mit 5.187 Kolonien zeigt, wie eine andere Futterquelle diesen Schutz schwächt – besonders zusammen mit ungemähten Blühstreifen.

Schwarze Wegameise an einer Blattlauskolonie
Symbolbild: Schwarze Wegameise an einer Blattlauskolonie · Foto: Carlos Eduardo Joos · Quelle · CC BY 2.0. Das Bild zeigt nicht das berichtete Ereignis.

Anlass: Veröffentlichung von Swedish University of Agricultural Sciences / Biological Control · Oktober 2026.

Ein Umweg zur Blattlausbekämpfung

Forschende haben in Apfelanlagen die Schutzgemeinschaft zwischen Ameisen und Blattläusen geschwächt: Sie boten den Ameisen Zucker abseits der Kolonien an. Die Tiere besuchten ihre Schützlinge daraufhin seltener und weniger intensiv. Die meisten räuberischen Gegenspieler fanden sich dort, wo Zuckerangebote mit ungemähten Blühstreifen zusammenkamen. Die Studie erschien im Oktober.

Das Team verfolgte die Mehlige Apfelblattlaus über zwei Vegetationsperioden: 5.187 einzeln erfasste Kolonien lieferten 13.303 Beobachtungen. Verglichen wurden frühe, späte und fehlende Zuckerangebote sowie gemähte und ungemähte Blühstreifen.

Quellen: [1]

Kleinere Kolonien, aber kein pauschales Erfolgsrezept

Bei höchstem Befall gab es mit Zuckerangeboten anteilig mehr kleine Kolonien. Ob eine beobachtete Kolonie später noch vorhanden war, hing von der Kombination ab. Am deutlichsten erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit, sie nicht mehr vorzufinden, bei spätem Zuckerangebot und ungemähten Streifen. Die öffentlich zugängliche Zusammenfassung nennt keine Dosierung oder belastbare Prozentzahl für eine Anwendung im Hausgarten. Sie trägt daher keine Empfehlung, Zuckerwasser am eigenen Apfelbaum auszubringen.

Quellen: [1]

Was die Ameisen für den Honigtau leisten

Die Gegenleistung lässt sich an befallenen Pflanzen erkennen: Blattläuse scheiden zuckerhaltigen Honigtau aus, Ameisen nehmen ihn auf und vertreiben dafür deren Fressfeinde. Das erläutert die britische Gartenbaugesellschaft RHS in ihrer Blattlaushilfe. Eine Ameisenstraße am Stamm kann deshalb Anlass sein, genauer hinzusehen.

Die Läuse sitzen oft an jungen Triebspitzen, Knospen und Blattunterseiten. Klebrige Beläge, helle Häutungsreste und verkrüppelter Austrieb liefern weitere Hinweise. Entscheidend ist die Pflanze: Entwickelt sie sich weiter, oder nimmt der Schaden zu? Die RHS rät, Blattläuse nach Möglichkeit zu tolerieren und Pflanzen wiederholt zu kontrollieren. Ein einzelner befallener Trieb verlangt noch keine Behandlung des ganzen Gartens.

Quellen: [3]

Warum der Blühstreifen zur Schädlingsregulierung gehört

Der Versuch verbindet zwei Aufgaben: Fressfeinde sollen an die Kolonien gelangen und in der Umgebung geeigneten Lebensraum finden. Für Letzteres liefert das Julius Kühn-Institut ein anschauliches Beispiel aus dem Obstbau. Blattlausfressende Schwebfliegenlarven benötigen Beute; die erwachsenen Tiere leben dagegen von Nektar und Pollen. Ein Obstbaum mit Läusen versorgt somit nur einen Teil ihres Lebenszyklus.

Blüten in erreichbarer Nähe schließen diese Lücke. Nach den JKI-Hinweisen sollte ihr Angebot möglichst über die Vegetationsperiode reichen. Dazu kommen geschützte Bereiche für Unterschlupf, Fortpflanzung und Überwinterung. Wer den Rand neben einem Obstbaum neu plant, kann deshalb nach drei Dingen suchen: Was blüht im Frühjahr, was folgt im Sommer und wo bleiben Rückzugsorte bei der Pflege erhalten?

Quellen: [2]

Für deinen Garten

Das kannst du mitnehmen

  • Beim Kontrollieren junge Triebe, Blattunterseiten und natürliche Gegenspieler zusammen betrachten.
  • Blüten über die Saison und geschützte Rückzugsorte rund um Obstbäume einplanen.

Quellen & Einordnung

  1. Combining sugar diversion with flower-strip management weakens ant protection of aphids in apple orchards ↗Swedish University of Agricultural Sciences / Biological Control · Oktober 2026
  2. Funktionelle Biodiversität im Obstbau ↗Julius Kühn-Institut
  3. Aphids ↗Royal Horticultural Society

Dieser Beitrag ordnet die verlinkten Veröffentlichungen für Garten- und Balkoninteressierte ein. Er enthält keine eigene Vor-Ort-Recherche.

Floruno-Redaktion

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