Nachricht · Gartenpraxis

Neue Regeln für Blumenerde-Werbung: Was auf dem Sack wirklich zählt

Ein grüner Sack sagt wenig über seinen Inhalt. Seit dem 27. September gelten strengere Regeln für Umweltversprechen. Ein Vergleich zeigt, wie sich eine überprüfbare Angabe von einem pauschalen Versprechen unterscheidet.

Hände halten Pflanzerde; die Zusammensetzung der Erde ist nicht dokumentiert
Symbolbild: Hände halten Pflanzerde; die Zusammensetzung der Erde ist nicht dokumentiert · Foto: M Tullottes · Quelle · Public domain. Das Bild zeigt nicht das berichtete Ereignis.

Anlass: Veröffentlichung von Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe · 07.10.2026.

Zwei Aufdrucke, zwei verschiedene Informationen

Auf einem Sack steht „umweltfreundliche Blumenerde“, auf einem zweiten „torffreie Erde für die Anzucht“. Dieses frei erfundene Vergleichsbeispiel zeigt das Problem am Verkaufsregal: Die erste Formulierung verspricht einen allgemeinen Umweltvorteil. Die zweite benennt einen Rohstoffverzicht und einen Einsatzzweck, die sich gezielt überprüfen lassen.

Seit dem 27. September gelten strengere Vorgaben für Umweltwerbung. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe hat die Folgen für den Erdenhandel am 7. Oktober aufgegriffen. Für Käufer wird damit eine Frage wichtiger: Welche konkrete Eigenschaft steckt hinter der Botschaft?

Quellen: [1] [2]

Welche Nachweise das Gesetz verlangt

Ein pauschales Versprechen wie „umweltfreundlich“ braucht einen besonders starken, gesetzlich anerkannten Nachweis. Der Maßstab ist eine nachgewiesene „anerkannte hervorragende Umweltleistung“. Wird der Vorteil stattdessen konkret erklärt, muss diese Erklärung klar und hervorgehoben auf derselben Verpackung stehen. Das Gesetz unterscheidet solche Angaben von allgemeinen Umweltversprechen. Ein Vorteil nur der Verpackung darf nicht als Vorteil des gesamten Produkts erscheinen. Nachhaltigkeitssiegel müssen auf einem Zertifizierungssystem beruhen oder von staatlichen Stellen festgesetzt sein.

Ob die erfundenen Aufdrucke zulässig wären, hinge von Gestaltung und Nachweisen ab; auch konkrete Angaben müssen stimmen. Ein Blattlogo allein belegt keine Kontrolle. Die Werberegeln verbieten außerdem nicht allgemein den Verkauf torfhaltiger Erde.

Quellen: [2]

„Bio“, „torfreduziert“ und „torffrei“ auseinanderhalten

Für den Torfverzicht ist die Zusammensetzung entscheidend. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft warnt vor einem häufigen Missverständnis: „Bio“ bedeutet bei Blumenerde nicht automatisch torffrei. Auch „torfreduziert“ beschreibt etwas anderes als einen vollständigen Verzicht.

Beim Einkauf hilft deshalb diese Reihenfolge:

  • Zuerst die gewünschte Kultur festlegen: etwa Aussaat, Balkonpflanzen oder Gemüse im Kübel.
  • Dann nach einer ausdrücklich torffreien, dafür geeigneten Mischung suchen und die Inhaltsstoffe ansehen.
  • Zum Schluss Anwendung und Düngungshinweise vergleichen. Die Mischung muss zur Pflanze und ihrer Pflege passen.

Quellen: [3]

Warum der Blick auf die Rückseite lohnt

Torffreie Erden enthalten etwa Holzfasern, Rindenhumus, Kompost oder Kokosmaterialien. Wegen deren unterschiedlicher Eigenschaften empfiehlt das BZL passende Spezialerden. Torfverzicht beschreibt dabei nur einen Umweltaspekt: Bei Kokosprodukten nennt das BZL auch Transportwege, Wasserbedarf der Aufbereitung und Arbeitsbedingungen.

Zum Vergleich gehört deshalb beides: die Eignung für die Pflanze und die konkret belegte Umweltangabe.

Quellen: [3]

Die neue Untersuchung erklärt ein Problem am Regal

Die FNR berichtet außerdem über 70 beobachtete Erdenkäufe in drei Gartencentern. Informationsschilder erhielten wenig Aufmerksamkeit. Von neun beratenen Personen kauften sechs torfhaltige Erde, zwei torffreie und eine beide Varianten. Beratung allein führte in dieser Stichprobe also keineswegs zuverlässig zur torffreien Wahl.

Die kleine, noch laufende Auswertung beschreibt einzelne Einkaufssituationen; sie ist keine repräsentative Handelsbilanz. Für den nächsten Einkauf liefert sie trotzdem einen guten Anlass, mit einer präzisen Frage ins Gespräch zu gehen: Welche der angebotenen Erden ist torffrei und für meine geplante Kultur geeignet?

Quellen: [1]

Für deinen Garten

Das kannst du mitnehmen

  • Torfverzicht anhand der ausdrücklichen Angabe und der Zusammensetzung prüfen.
  • Bei Umweltversprechen nach Bezug, Nachweis und gegebenenfalls dem Herausgeber des Siegels fragen.

Quellen & Einordnung

  1. Torffreie und torfreduzierte Produkte im Handel ↗Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe · 07.10.2026
  2. Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb: § 2 und Anhang zu § 3 Absatz 3 ↗Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz / Bundesamt für Justiz
  3. Torf in der Pflanzenproduktion: unersetzlich oder verzichtbar? ↗Bundesinformationszentrum Landwirtschaft · 26.11.2025

Dieser Beitrag ordnet die verlinkten Veröffentlichungen für Garten- und Balkoninteressierte ein. Er enthält keine eigene Vor-Ort-Recherche.

Floruno-Redaktion

Quellenberichte und Einordnung zu Garten, Natur und Umwelt. Redaktionsprofil und Verantwortliche · Unsere Arbeitsweise.

Eine Angabe stimmt nicht? Korrekturhinweis senden.

Weiterlesen

Mehr zu Garten & Natur

Alle entdecken