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Wenn Bienen den Blütenduft nicht wiedererkennen: Was Luftschadstoffe verändern

Eine neue Auswertung findet besonders starke Einbußen bei der Nahrungssuche. Ein Versuch mit erlernten Düften macht verständlich, was dahintersteckt.

Blühender Inkarnat-Klee auf einer angelegten Bienenwiese in München-Obermenzing
Symbolbild: Blühender Inkarnat-Klee auf einer angelegten Bienenwiese in München-Obermenzing · Foto: Kritzolina · Quelle · CC BY-SA 4.0. Das Bild zeigt nicht das berichtete Ereignis.

Anlass: Veröffentlichung von Ryalls, Bishop und Wagstaff / Frontiers in Ecology and the Environment · 08.10.2026.

Was der Rückgang um 67 Prozent bedeutet

Die Nahrungssuche leidet stärker als die bloße Anzahl der Bestäuber: Das ist ein Ergebnis einer am 8. Oktober erschienenen Auswertung von 22 Experimentstudien zu Ozon und Stickoxiden. Bei den zusammengefassten Kennzahlen zur Suchleistung lag der Rückgang gegenüber den jeweiligen Kontrollbedingungen bei durchschnittlich 67 Prozent. Für Bestäuberhäufigkeit und Effizienz der Nahrungsaufnahme zeigte sich insgesamt kein statistisch gesicherter Rückgang.

Die Suchleistung bündelt unterschiedliche Versuchsergebnisse. Arten, Schadstoffe und Konzentrationen variieren. Die 67 Prozent bedeuten daher weder 67 Prozent weniger Bienen noch einen entsprechenden Ernteverlust im Garten.

Quellen: [1]

Der Rüssel verrät, ob eine Biene den Duft erkennt

Wie sich ein verändertes Duftsignal untersuchen lässt, zeigt ein separates Experiment von 2023. Ben Langford und Kollegen ließen eine Mischung aus vier Blütenduftstoffen durch einen Windkanal strömen. Bei 150 ppb Ozon reagierten die Bestandteile unterschiedlich schnell; an den Rändern der Duftfahne veränderte sich die Mischung stärker als in ihrer Mitte.

Honigbienen lernten zunächst, den ursprünglichen Duft mit einer Zuckerbelohnung zu verbinden. Danach streckten sie beim Wiedererkennen ihren Rüssel aus. Anschließend erhielten sie nachgemischte Düfte, die den ozonbedingt veränderten Mischungen aus dem Windkanal entsprachen.

Die Tabelle zeigt die Wiedererkennung bei Duftproben aus einem Versuch mit 150 ppb Ozon. Das entspricht einem Gasanteil von 150 Milliardsteln. Die Bienen selbst waren keinem Ozon ausgesetzt.

Der Versuch erklärt einen möglichen Weg der Störung: Die Blüte sendet weiterhin einen Duft aus, doch beim Tier kommt eine andere Mischung an. Gemessen wurde die Wiedererkennung, keine Flugstrecke.

DuftprobeNach sechs MeternNach zwölf Metern
Mitte der Duftfahne52 % Wiedererkennung38 % Wiedererkennung
Rand der Duftfahne32 % Wiedererkennung10 % Wiedererkennung

Quellen: [2] [3]

Warum Apfelblüte und Raps unterschiedlich reagieren können

Auch der Ausgangsduft spielt eine Rolle. Ein im März 2026 veröffentlichtes Modell untersuchte Duftprofile von Raps, Weißem Senf, der Erdbeersorte „Malwina“ und dem Apfel „Golden Delicious“. Die Forschenden verbanden die Chemie der Duftmischungen mit bereits veröffentlichten Reaktionen von Honigbienen.

Im Modell veränderte Ozon das Rapsprofil besonders stark; das Apfelprofil erwies sich als beständiger. Entscheidend war dabei nicht allein, wie viele Duftstoffe verschwanden, sondern wie sich die Mischung für den Empfänger änderte.

Das ist ein Ansatz, um empfindliche Pflanze-Bestäuber-Beziehungen gezielter zu untersuchen. Eine Empfehlung, nun bestimmte Gartenpflanzen auszutauschen, liefert die Arbeit nicht: Sie modelliert Duftveränderungen und überprüft keine vollständigen Beete oder Obstgärten unter Alltagsbedingungen.

Quellen: [3]

Schadstoffgemische brauchen eigene Versuche

Die Oktober-Übersicht weist auf eine offene Frage hin: Ozon und Stickoxide reagieren miteinander. Ihre gemeinsame Wirkung lässt sich deshalb nicht einfach aus Einzeleffekten errechnen. Nur drei Arbeiten untersuchten beide zusammen.

Nötig sind weitere Versuche mit unterschiedlichen Arten und alltagsnahen Konzentrationen. Die Luft zwischen Blüte und Insekt gehört dabei zum Untersuchungsgegenstand.

Quellen: [1]

Für deinen Garten

Das kannst du mitnehmen

  • Die 67 Prozent beziehen sich auf zusammengefasste Suchkennzahlen, nicht auf die Zahl überlebender Bienen.
  • Entscheidend ist auch, welche Duftmischung auf dem Weg von der Blüte zum Insekt übrig bleibt.

Quellen & Einordnung

  1. Pollinator risks and recovery from air pollutant interactions during the fossil-fuel transition ↗Ryalls, Bishop und Wagstaff / Frontiers in Ecology and the Environment · 08.10.2026
  2. Mapping the effects of ozone pollution and mixing on floral odour plumes and their impact on plant-pollinator interactions ↗Langford et al. / Environmental Pollution, Eintrag der University of Birmingham · 16.08.2023
  3. A perceptual model indicates air pollution-induced shifts in honeybee floral-scent recognition ↗Sprayberry et al. / Communications Earth & Environment · 09.03.2026

Dieser Beitrag ordnet die verlinkten Veröffentlichungen für Garten- und Balkoninteressierte ein. Er enthält keine eigene Vor-Ort-Recherche.

Floruno-Redaktion

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